Logo-Drohnenblog
Was ist „Good Airmanship“?
"Airmanship? Ich weiss zwar nicht was es ist, aber ich erkenne es wenn ich es sehe… "
- unbekannt

(Drohnisten,
welche des Englischen nicht mächtig sind, haben es noch etwas schwerer, da
sogar eine sinnvolle Übersetzung des Wortes Airmanship ins Deutsche fehlt.
Manchmal wird es mit „Verhalten als Luftfahrer“ übersetzt was aber auch wenig
erklärt und meiner Meinung nach auch zu kurz greift. Besser wäre es sich an die
Übersetzung des Wortes Seamanship anzulehnen – das zwar auch mit dem wenig
sagenden «Seemannschaft» übersetzt wird – aber seemännisches Geschick bedeutet.
Das würde dann etwas wie "luftfahrerisches Geschick" ergeben… nun
ja... man muss vielleicht auch nicht alles übersetzen…;-)

Was also ist „Airmanship“?

Innerhalb der Luftfahrt-Community, gibt es viele Definitionen und Konzepte zum Thema Airmanship. Es ist schwierig aus der Literatur zum Thema Airmanship herauszufinden ob es sich dabei um einen Prozess, eine Einstellung, eine Fähigkeit oder um ein Ergebnis vieler Faktoren handelt. Diese Faktoren können sein: Fähigkeiten, Urteilsvermögen, Situationsbewusstsein oder einfach nur die „richtige“ Einstellung.

 

Die Agentur der Europäischen Union für Flugsicherheit (EASA) definiert in der EU-Verordnung 1178/2011 im Part-FCL.010:

„Verhalten als Luftfahrer (Airmanship)“ bezeichnet die kohärente Anwendung der Urteilskraft und gut entwickelter Kenntnisse, Fähigkeiten und Einstellungen, um Zielsetzungen im Rahmen eines Fluges zu erreichen.

Die bisher beste Definition gibt Anthony Kern in seinem Buch „Redefining Airmanship“:

"Airmanship ist die konsequente Nutzung von gutem Urteilsvermögen und gut entwickelten Fähigkeiten um fliegerische Ziele zu erreichen.

·        Die erforderliche Basis von guter Airmanship besteht aus:

o   dem Grundpfeiler einer kompromisslosen Flugdiziplin

o   der systematischem Fähigkeitsentwicklung (lernen) und

o   des in Übung sein bzw. bleiben (proficiency).

·        Ein hoher Grad an Situationsbewustsein (SA - Situational Awareness) komplettiert das Airmanship Modell.

·        Dies wird erreicht durch umfassendes Wissen um einen selbst, das Luftfahrzeug, die Umwelt, dem Team und den Risiken.“

Das Airmanship Modell kann man sich zum besseren Verständnis als ein Gebäude vorstellen. Dabei verkörpern die einzelnen Bausteine bestimmte Aspekte des Airmanship.

Bild1

Disziplin
ist dabei die Grundschicht/Basis für gutes Airmanship. Es ist die Fähigkeit und
der Wille sicher zu Fliegen

Darauf baut sich das Fundament aus Fähigkeiten (Skills) und in Übung sein (Proficency) auf. Beide beinhalten technische als auch nicht technische Aspekte.

Ein tiefes Wissen um die verschiedenen Themen (one’s self (mich als Person), aircraft (meine Drohne), environment (Luftraum und Fluggebiet), team (meine Flight Crew) and risk (Risikobewusstsein und Risikomanagement)) bilden die Säulen des Airmanship auf denen der Dachstuhl, das Situationsbewusstsein (SA - Situational Awareness) liegt. Erst Wissen ermöglicht Situationsbewusstsein. Ebenso wie Urteilsvermögen ist SA eine Fähigkeit die man entwickeln muss.

Das Urteilsvermögen bildet in diesem Bild das Dach – Alle Elemente von der Basis über die Fundamente, den Säulen und dem Dachstuhl unterstützen ein gutes Urteilsvermögen und die Entscheidungsfindung wie alle tragenden Elemente eines Gebäudes das Dach tragen.

Indikatoren

Es gibt mehrere Indikatoren für gutes Airmanship.

In erster Linie zeichnet einen guten Piloten aus, dass er mögliche Gefahren durch Voraussicht und ständiges Aufrechterhaltung des Situationsbewusstseins antizipieren kann und er fundierte Pläne macht die diese Gefahren berücksichtigen.

Am leichtesten erkennt man gutes Airmanship, wenn es bei tatsächlich auftretenden Problemen von Piloten/Besatzungen gezeigt wird. Eine gute Flugbesatzung analysiert dann korrekt die dynamische Situation, wendet fundiertes Urteilsvermögen an und trifft problemlösende Entscheidungen. Dabei nutzt die Besatzung die verfügbaren Ressourcen und setzt die richtigen Prioritäten um ihre Ziele zu erreichen. Die Besatzung zeigt dabei Disziplin, gutes Teamwork, sowie die Fähigkeit mit allen geeigneten Stellen klar zu kommunizieren. Sie wendet dabei ein umfassendes Wissen und Know-how zu der aufgetretenen Situation an.

Kann man Airmanship erlernen?

Bild2

Es ist zwar wahr, dass Airmanship eine persönliche Qualität ist und dass der Einzelne in seiner natürlichen Fähigkeit variiert aber generell können Piloten durch aufzeigen der Bausteine des Airmanship-Models geschult und motiviert werden. Dabei können die Airmanship-Fähigkeiten von Piloten mit einer Reihe von Kenntnissen und Methoden verbessert werden.

Allerdings ist das fliegen einer Drohne mehr als das Anwenden von erforderlichen Fähigkeiten und Kenntnissen. Es Bedarf auch der richtigen Einstellung und das Streben nach optimaler Performance zu jeder Zeit. Diese Einstellung und dieses Streben ermöglicht es Fernpiloten die höchsten Level des Airmanship zu erreichen.



Zusammenfassung:
AIRMANSHIP = Verhalten des Piloten
  • Fliegerisches Können und Wissen
  • Verständnis für die Luftfahrt
  • Aufmerksamkeit für Fluggerät und Umgebung
  • Diszipliniert im Verhalten
  • Kenntnis und Respekt der eigenen Fähigkeiten
  • Entscheidungen zur optimalen Sicherheit

„Diszipliniertes, Konsequentes, Sicherheitsbewusstes Verhalten des Piloten kann Unfälle vermeiden“


Nein
sagen können, Aufträge ablehnen können, Operationsabbruch verfügen, keine
Startfreigabe erteilen wenn:

  • Grenzen überschreiten (Wetter, Höhen, Sichtbereich)
  • «Das machen wir noch schnell»
  • «Es wird schon nichts passieren, bis jetzt ging ja alles gut»
  • «Das haben wir schon öfters so gemacht»
  • «Das wird  schon gehen»
  • Keine Zeit oder Lust für die Flugvorbereitung

Quellen:

·        Spence/Ebbage RTO-MP-HFM-101: Paper 8: Airmanship Training For Modern Aircrew

·        Toni Kern - Redefining Airmanship (ISBN 0070342849 / 9780070342842)

·        Andreas Winkler ACG/AOT/ACE, AustroControl, Season Opener 2018

·        Ausbildungsskript EASA A2 der Falcon Drone Academy